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Tagung "Intersektionelle Benachteiligung und Diskriminierung - Soziale Realitäten und Rechtspraxis"


 

 

 

Die Tagung „Intersektionelle Benachteiligung und Diskriminierung – Lebensrealitäten und Rechtspraxis“ fand am 18. und 19. Oktober im Festsaal des Oberlandesgerichts Graz im Rahmen des vom FWF geförderten Projektes „Locating Intersectional Discrimination“ statt.

 

Die offizielle Eröffnung erfolgte durch Oberlandesgerichtspräsident Dr. Manfred Scaria und ETC-Direktorin Prof. Renate Kicker. Dekan Prof. Josef Marko hielt den Einführungsvortrag mit der Forderung nach einer Erweiterung des Diskriminierungsschutzes zur Herstellung „effektiver Gleichheit“.

 

Prof. Dagmar Schiek (Universität Leeds) stellte im Hauptvortrag fest, dass das europäische Gleichheitsrecht grundsätzlich geeignet sei, intersektionelle Diskriminierungen zu behandeln, forderte jedoch für die Rechtsanwendung einen Perspektivenwechsel von der Gruppen- und Vergleichslogik hin zu einem Modell der sich überschneidenden Ungleichheitskategorien Geschlecht-Ethnizität-Behinderung, um Intersektionalität als Regelfall erkennen zu können.

 

In drei thematischen Panels wurden theoretische Perspektiven, empirische Befunde und rechtspraktische Schlussfolgerungen mit den Vortragenden und Gästen aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Österreich erörtert. In einem abschließenden Arbeitskreis wurden die Schlussfolgerungen zusammengefasst, um sie der Agentur für Grundrechte der Europäischen Union zur Stellungnahme vorzulegen.

(29. Oktober 2012)

 

 

 

Tagungsbericht

 

 

Broschüre zur Fachtagung

 

 

 

 

 

 

 

Power Point Präsentationen der Vortragenden zum Download:

 

Prof. Dr. Dagmar Schiek "Intersektionelle Diskriminierung und EU Recht - eine kritische Reflektion"

 

Prof. Dr. Joseph Marko "Vom Diskriminierungsverbot zu effektiver Gleichheit: Die Notwendigkeit interdisziplinärer Forschung"

 

Prof. Dr. Katharina Walgenbach "Intersektionalität - Theoretische Modelle und Perspektiven"

 

Dr. Caroline Voithofer "Mehrfachdiskriminierung als Herausforderung für einen freien und gleichen Zugang zum Recht"

 

Prof. Dr. Elisabeth Holzleithner "Intersektionalität queer gelesen - Chancen und Grenzen der Bezugnahme auf sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität im Rahmen empanzipatorischer Rechtsdiskurse"

 

Dr. Irene Messinger "Ehen mit Drittstaatsangehörigen unter dem Verdacht einer 'Aufenthaltsehe'"

 

Dr. Isabella Meier/Simone Phillip, M.A. "Die Handlungsspielräume werden kleiner ... Intersektionen in der Lebenswelt der Betroffenen"

 

Lic. iur Tarek Naguib "Intersektionalität: Notwendige Analysekategorie im schweizerischen Antidiskriminierungsrecht?"

 

Mag. Andrea Ludwig "Aktuelle Gerichtsverfahren des Klagsverbands im Bereich der mehrdimensionalen Diskriminierung"

 

 

 

 

 

Das Projekt „Locating Intersectional Discrimination“ wird vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) gefördert.

 

 

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Die Durchführung des Projekts LID / Locating Intersectional Discrimination wird vom Austrian Science Fund (FWF): P 22639-G16 finanziert

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. Projektbeschreibung Projektteam

Projektbeschreibung

Das Projekt „Locating Intersectional Discrimination” (LID) strebt danach, intersektionale Theorie auf die Rechtspraxis anzuwenden, um intersektionale Diskriminierung erkennen und adäquat adressieren zu können. Es zielt nicht nur darauf ab aufzuzeigen, dass intersektionale Diskriminierung relevant ist, sondern auch darauf zu untersuchen, wie intersektionale Diskriminierung von den bestehenden Rechtssystemen behandelt werden kann. Dazu wird im Projekt ein interdisziplinärer Zugang verfolgt, der theoretische und praktische Ansätze beinhaltet.

 

Intersektionale Diskriminierung ist eine spezielle Ausformung der multidimensionalen Diskriminierung, in der Diskriminierungen basierend auf bestimmten Charakteristika wie z.B. Alter, Geschlecht, „Rasse“ oder Religion so aufeinandertreffen, dass sie eine neuartige Form der Diskriminierung bilden. Das Recht spiegelt dies jedoch (nicht gänzlich) wider und Rechtssysteme behandeln Fälle intersektionaler Diskriminierung oft auf der Basis des „single-ground“ Ansatzes. Das bedeutet, dass sofern Fälle intersektionaler Diskriminierung auftreten, diese oft entweder als additive Diskriminierung gesehen werden – und jeder Grund einzeln behandelt wird – oder, dass diese Fälle nur auf Grundlage eines Grundes – dem der als am stärksten angesehen wird – behandelt werden, während die anderen Gründe überhaupt nicht in der Klage erscheinen. Der intersektionale Aspekt dieser Fälle bleibt also versteckt.

 

Das LID Projekt will angemessene Definitionen ebenso wie praktische Tools zur Identifikation multidimensionaler Diskriminierung und insbesondere intersektionaler Diskriminierung bieten. Darüber hinaus zielt das Projekt darauf ab, anwendbare Möglichkeiten auszuarbeiten, mit deren Hilfe das geltende Gleichstellungs-, Gleichbehandlungs- und Nichtdiskriminierungsrecht mit Fällen multidimensionaler Diskriminierung umgehen kann. Dafür wird das LID Projekt gemeinsam mit RechtspraktikerInnen eine Tool-Box für RechtspraktikerInnen entwickeln, die sie dabei unterstützt, diskriminierende Strukturen und Praktiken besser zu erkennen. Hierdurch können für Menschen, die Diskriminierung aufgrund mehrerer Gründe erfahren, faire und menschenrechtskonforme Rechtsschutzmöglichkeiten geboten werden.

 

 

 

 

 

Projektphasen

Das Projekt setzt sich aus drei Teilen zusammen:

 

Phase I: Theoretische Klärung

 

In Teil I soll das Konzept der ,intersektionalen Diskriminierung‘ theoretisch – und mit Voraussicht auf die rechtliche Fruchtbarmachung des Konzepts – geklärt werden: durch seine hinreichende Abgrenzung von anderen Formen (multipler) Diskriminierung sowie durch die Erarbeitung einer ,toolbox‘ zur weiteren (theoretischen sowie praktischen) Abgrenzung und Handhabung des Konzepts.

 

 

Phase II: Rechtliche Analyse

 

In Teil II soll die rechtliche Verankerung intersektionaler Diskriminierung geklärt werden: einerseits durch die Analyse bestehenden Anti-Diskriminierungsrechts hinsichtlich seiner Erfassung von intersektionaler Diskriminierung; andererseits durch eine Analyse des Problems der ,Vergleichsperson‘ im Kontext der intersektionalen Diskriminierung und durch die Bereitstellung einer ,toolbox‘ für entsprechende Lösungsansätze.

 

 

Phase III: Praxisrelevanz

 

Auf dieser Grundlage soll in Teil III der praktischen Relevanz des Konzepts der intersektionalen Diskriminierung nachgegangen werden: zunächst durch die Identifikation eines methodologisch besonders geeigneten Zugangs zu Feldern intersektionaler Diskriminierung; sodann durch die Identifikation von praktischen Manifestationen sowie von Hindernissen in der Wahrnehmung von intersektionaler Diskriminierung; sowie schließlich durch die Analyse tatsächlichen (rechts-) praktischen Umgangs mit Formen intersektionaler Diskriminierung. Auf diese Art und Weise sollen die theoretischen und rechtlichen Forschungsbereiche des Projektes praktisch ergänzt und die umfassende Relevanz des Konzepts der intersektionalen Diskriminierung adäquat erfasst werden.

 

 

 

 

Projektteam

 

Karin M. Schmidlechner

 

Klaus Starl

 

Veronika Apostolovski

 

Simone Philipp

 

Isabella Meier

 

Sheena Smith

 

 

 

 

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Zuletzt aktualisiert 07.11..2012